8 Fragen an Editha Weber

Editha Weber_color @Zoran HorvatEditha Weber führt mit Ihrem wunderbaren Buch „Fürstinnen im Grünen“ sowohl durch Schlossgärten als auch zu deren Schöpferinnen. Beides gehört untrennbar zusammen.
Gerade in der jetzigen Jahreszeit können wir uns gar nichts Schöneres vorstellen, als an einem Gartenbuch zu schreiben – und darüber zu sprechen. Von Editha Weber erfuhren wir einiges über ihre Arbeit, den Zauber von Gärten und ihren eigenen Garten:

Frau Weber, besitzen Sie einen eigenen Garten und wenn ja, wie sieht dieser aus?

Glücklicherweise darf ich seit Langem immer irgendwo pflanzen, graben, säen und mich an der Vielfalt der Natur erfreuen. Seit einigen Jahren habe ich einen eigenen Garten, in dem viele Pflanzen wild und bunt durcheinander stehen. Da ich viel unterwegs bin, baue ich nur wenige pflegeintensive Gemüsepflanzen an. Dafür habe ich richtig viele Blumen gepflanzt. Dazwischen stehen Obstbäume, Walnussbäume, Ahorne und Hainbuchen.

Wie ist die Idee entstanden, ein Buch über Fürstinnen und ihre Gärten zu verfassen?

Das Thema hat mich gefunden. Meine Begeisterung für die Schönheit von Gärten führte mich schon seit Jahren in viele europäische Schlossgärten und natürlich immer wieder in die herrlichen Gärten der mecklenburgischen Residenzen, wobei ich manche seit Kindertagen kenne. Umso intensiver ich mich mit der Geschichte der europäischen Gartenkunst beschäftigte, umso mehr gelang es mir, die Ideen, Träume und Sehnsüchte, die sich mit der Anlage von Gärten verbinden, zu entziffern. Zugleich befasse ich mich seit meinem Studium mit der Geschichte von Frauen unterschiedlicher historischer Epochen und sozialer Gruppen. Die Bemerkung eines Kollegen zur Bedeutung mecklenburgischer Fürstinnen gab dann den Impuls, darüber nachzudenken, ob und wie diese Frauen kulturhistorisch gewirkt haben.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Schlossgärten bzw. ihre Schöpferinnen für Ihr Buch ausgewählt?

Alles war ja schon da, die Gärten und die gartenbegeisterten Frauen. Ich musste sie nur entdecken und lernen, ihren Spuren zu folgen und ihre im Garten gesetzten Zeichen zu deuten. Ausschlaggebend war für mich eine nachweisbare Beziehung zwischen Garten und Fürstin, ob als Gestalterin, als Flaneurin oder in der Form, dass der Garten zum Erinnerungsort einer Fürstin wurde, etwa im Falle von Königin Luise in Neustrelitz und Herzogin Louise in Ludwigslust. Da weder Überlieferung noch Aufarbeitung von historischen Quellen über Frauen dem Quellen- und Forschungsstand zur Geschichte von Männern entsprechen, verbergen sich gewiss noch viele spannende Geschichten von einflussreichen Frauen mit einer Leidenschaft für die grüne Kunst in Archiven und Bibliotheken. Meine Suche nach ihnen ist noch nicht beendet.

Ihr Buch ist voller Details und Geschichten zu den Gärten, ihren Herrinnen und Hintergrundgeschichten. Wie kann man sich Ihre Recherchearbeit vorstellen?

Lesen, spazieren gehen, Galerien besuchen, immer wieder vergleichen, Beziehungen herstellen und eine kulturhistorische Einordnung in das System von Zeichen, Beziehungen und Symbolen vornehmen. Ich versuchte, so viel wie möglich über die einstigen Herrinnen der mecklenburgischen Schlossgärten zu erfahren, über die Gartenkunst ihrer Zeit und wie diese die gestalterischen Vorstellungen der Frauen geprägt hat. Je stärker aus Quellen, Forschungsliteratur und auf Gemälden das Bild einer dieser Frauen Gestalt annahm, desto deutlicher sah ich sie in meinen Gedanken durch ihren Schlossgarten spazieren. Diese Annäherung durch die eigene Fantasie veranlasste mich schließlich, meine Betrachtungen als einen Gartenspaziergang durch mehrere Stilepochen zu Tempeln, Wasserläufen und Denkmälern zu verfassen, die etwas vom Leben jener Frauen bewahrt haben, die einst hier entlang wandelten.

Was macht den Garten zu einem besonderen Ort? Und inwiefern ist er in Ihren Augen auch eine Kunstform?

Im Garten zu sein, empfinde ich als eine Befreiung von Begrenztheit. Den Garten überspannt der Himmel und, wenn keine Mauern oder Zäune existieren, gibt es einen fließenden Übergang zur Natur, zum Nachbarn oder zur Stadt. Doch genau wie Architekturen sind Gartenräume vom Menschen gestaltete Konzepte. Wenn auch Stile und Materialien variieren, steht der Garten der Kunst näher als der Natur. Zugleich bewahrt ein Garten die Illusion von Natur und vermag die eigene Kreativität zu beflügeln, was mit einfachen Mittel ausgelebt werden kann. Eine Tüte Blumensamen könnte ein Anfang sein. Vielleicht schenken einem die Vögel ein paar Samenkörner oder der Wind weht sie herbei. Was daraus wird, bleibt lange ungewiss. Ist das nicht wie ein Zauber?

Frauen spielen eine zentrale Rolle in Ihren Ausführungen. Glauben Sie, dass Frauen ein grundsätzlich anderes Verhältnis zu Gärten haben als Männer?

Nach meiner Einschätzung hängt es eher vom jeweiligen Interesse ab, ob sich Frau oder Mann für einen Garten begeistern und darin einen Ort der Präsentation, der Entspannung oder des Rückzugs sehen. Jahrhunderte lang war die Gartenkunst eine sehr prestigeträchtige Kulturform, sodass sich an den europäischen Höfen vielfach Männer wie Frauen mit diesem Thema beschäftigt haben, aber durch ganz unterschiedliche Gründe ist heute in viel größerem Umfang von den gestalterischen Leistungen oder der Förderung von Männern zu erfahren.

Hin und wieder ist in Ihrem Buch eine Gartenbesitzerin interessanter als ihr erhaltener Garten. Welche Fürstin hat bei Ihnen den größten Eindruck hinterlassen?

Das ist eine schwierige Frage. Zumal das historische Material und die wissenschaftliche Forschung zu den einzelnen Frauen bislang in unterschiedlicher Dichte vorliegen. Mich beeindruckt insbesondere die Renaissancefürstin Elisabeth von Dänemark mit einem historisch verhältnismäßig gut dokumentierten Lebensweg. Wobei ihr Leben im Vergleich mit den anderen im Buch dargestellten Frauen von unserer heutigen Zeit ja am weitesten entfernt ist. Aus den überlieferten Quellen lässt sich das Porträt einer tief religiösen und zugleich in weltlichen Angelegenheiten äußerst aktiven Frau skizzieren. Ihre Liebe zum Garten, wenn ich das so nennen darf, war sicher in umfassender Weise von der Verantwortung einer Herrin der ständischen Gesellschaft über viele Menschen und der Erfüllung ihrer Pflichten vor Gott motiviert. Das schemenhafte Wissen vom Aussehen des Güstrower Schlossgartens zu Elisabeths Lebzeiten verleiht der Geschichte etwas Geheimnisvolles. Das reizt natürlich die Fantasie und Leserinnen und Leser werden sich im Kopf ihre eigenen Vorstellungen vom verloren Garten der Herzogin machen.

Gibt es eigentlich einen Garten für den Sie besonders schwärmen?

Noch so eine schwierige Frage. Mir gefällt gerade die Unterschiedlichkeit der einzelnen Anlagen. Ich bin immer wieder von den ästhetischen Ideen der Schöpfer fasziniert, die sie ausgehend von den jeweiligen Vorgaben des Geländes entwickelt haben. In Güstrow mag ich diese effektvolle Anordnung und Bepflanzung der Beete. In Ludwigslust verliere ich mich gerne in der Großzügigkeit des Gartens und genieße die Präsenz des elegant geleiteten Wassers. Mirow ist mit seinem Licht- und Schattenspiel und natürlich der Liebesinsel einfach romantisch. Zugleich ist die Brücke zur Insel mit dem kunstvollen Geländer voller Mäander, Amphoren ähnlichen Vasen sowie den steinernen Blumengirlanden und Widderköpfen eine Augenweide. In Hohenzieritz habe ich stets die Vorstellung, Jane Austens Heldin Elisabeth Bennet spaziert irgendwo weiter vorne auf dem Weg. Neustrelitz durchweht ein melancholischer Gedanke an Königin Luise und in Schwerin suche ich mir nach meiner Tagesstimmung einen Platz zum Innehalten. Da gibt es Gartenräume für stille Momente genauso wie für den Genuss botanischer und graziöser Kostbarkeiten.

Foto ©Zora Horvat

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