8 Fragen an Wolfgang Braun

Wolfgang Braun
Wie man Dinge und Orte aufspürt, die niemandem oder nur wenigen Menschen bekannt sind, ist eine Fähigkeit, die in erster Linie Journalisten zugeschrieben wird. Im Fall unseres Autors Wolfgang Braun trifft das auch zu. Bereits mit seinem ersten Ausflugsführer in unserer beliebten „Geheime Orte-Reihe“ hat er seine hervorragende Spürnase unter Beweis gestellt. Nun tritt er diesen Beweis zum zweiten Mal an. Wir haben versucht, ihm etwas über seine Arbeit zu entlocken:

Herr Braun, gerade ist von Ihnen der neue Band „Geheime Orte im Weserbergland“ erschienen und im Juni führen Sie uns in den Harz. Wie findet man denn geheime Orte, wenn die doch geheim sind?

Geheime Orte sind ja oft nicht wirklich geheim. Aber sie bergen ein Geheimnis oder zumindest Unbekanntes, Verschwiegenes oder Vergessenes. Ich konnte auf viele Informanten zurückgreifen, die mir geholfen haben. Ich bin ja Journalist und habe gelernt zu recherchieren.

Ab wann ist ein Ort denn geheim? Unter welchen Kriterien haben Sie entschieden bzw. wie haben Sie herausgefunden, ob es sich bei einer Attraktion noch um etwas Unbekanntes handelt oder nicht?

Entscheidend war als, das Geheimnis eines Ortes aufzuspüren und in den Mittelpunkt zu rücken, auch wenn der Ort an sich bekannt ist. Ich wollte schon meinen Lesern etwas anbieten, von dem ich annehmen kann, dass es für sie neu, interessant, erstaunenswert ist. Dabei sind Bücher dieser Reihe ja Ausflugsführer. Es muss sich also auch lohnen, diese Orte aufzusuchen. Ihr Besuch sollte ein Erlebnis sein.

Können Orte, die nun in einem Reiseführer veröffentlicht sind, noch geheim sein?

Nein, eigentlich nicht. Wenn das Geheimnis eines Ortes gelüftet oder es zumindest benannt und umrissen ist, dann schadet das aber überhaupt nichts.

Wie lange arbeiten Sie an jeweils einem der Bücher, oder ist der Aufwand je nach Region ein unterschiedlicher für Sie gewesen?

Etwa vier, fünf Monate. Als ich die Kapitel für „Geheime Orte im Weserbergland“ geschrieben habe, habe ich schon zu „Geheimen Orten im Harz“ recherchiert. Zur Zeit arbeite ich zusätzlich als Dozent für sogenannte Integrationskurse und schreibe Zeitungsartikel zu kulturellen Ereignissen und halte VHS-Literaturseminare. Ich tanze also auf mehreren Hochzeiten. Außerdem muss ich täglich mindestens eine Stunde Klavier üben, sage ich mir.

Es gibt ganze Touren, die der Leser mithilfe der Bücher antreten kann. Wie planen Sie eine solche Tour?

Diese Touren werden ja erst im Nachhinein zusammengestellt. Sie gliedern das Informationsangebot. Im Weserbergland-Buch mit seinen vielen Mittelgebirgszügen spielten geografische Gesichtspunkte eine Rolle. Im Ostwestfalen-Buch waren es inhaltliche: Wer hätte beispielsweise gedacht, dass der Kreis Höxter an der Weser, wo ich lebe und der an sich ja schon für die allermeisten in der Bundesrepublik ein „geheimer Ort“ ist, überraschend viele Bezüge zu Persönlichkeiten der Weltliteratur, zu Annette von Droste-Hülshoff, Friedrich Hölderlin oder zu den Brüdern Grimm hat.

Was eint und was unterscheidet den Charme der geheimen Orte Ostwestfalens, des Weserberglands und des Harzes?

Ich sehe da keine großen Unterschiede, das Geheimnisvolle, das Unerwartete, das Unbekannte das Erstaunliche verbindet sie alle. Unterschiede finden sich natürlich, wenn man Orte unabhängig von ihrer Lage im Harz, im Weserbergland oder im Ostwestfalen miteinander vergleicht.

Haben Sie einen geheimen Ort, der Ihnen am liebsten ist oder Sie am meisten fasziniert?

Wenn ich zum Beispiel vor der Rothesteinhöhle im Weserbergland stehe und mir vorstelle, dass hier wurden Menschen geopfert wurden, packt mich ein leises Grauen. Man ist hier und an manchen anderen Orten dem Geheimnis der Vergangenheit doch so nah. Das ist ein Gefühl der Faszination.

Gab es auf Ihren Entdeckungsreisen Erlebnisse oder Begegnungen, die Sie nicht im Buch erwähnen, Ihnen aber besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja, bis ich nach mehreren Anläufen endlich die Reste des Horst-Wessel-Denkmals auf dem Süntel bei Hameln nur mit Hilfe eines Zeitzeugen gefunden hatte, das war schon ein Erlebnis. Es war und ist häufig ein beglückendes Erlebnis, an den Orten tatsächlich auch zu stehen, die man sucht. Denn oft sind sie wirklich so gut wie geheim, sind nicht in Karten eingezeichnet, keine Wegweiser führen zu ihnen hin.

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