Archiv für die Kategorie ‘ausgekramt’

Originale Mauerkunst

Mittwoch, 16. Mai 2012

Originale Mauerkunstwerke die man heute nicht mehr findet – aus unserem Bildband Berliner Mauerbilder:

 

(1989)


(1986)


(1989)


(1989)


(1985)

Anekdoten von Friedrich dem Großen (I)

Freitag, 16. März 2012

Friedrich Nicolai veröffentlichte 1788-92 in sechs Heften seine „Anekdoten von Friedrich II.“. Diese kurzen Texte zeigen weniger den Regenten und Feldherren als dessen menschliche Beziehungen und sind schon deshalb interessant, weil sie weitaus weniger in die Geschichtswerke und Lebensbeschreibungen eingegangen sind.


Der König fragt Maupertuis, was Infinitesimal- und Differentialrechnungen sind

Der König sprach einmal mit dem berühmten Maupertuis über die Mathematik und fragte unter anderem, was eigentlich die Infinitesimal- und Differentialrechnungen wären. Maupertuis gab ihm die gewöhnlichen Erklärungen und wollte eine kleine Erläuterung beifügen. Der König verstand ihn aber nicht und verlangte nach einigen Zwischengesprächen, er solle sich völlig deutlich erklären.
Maupertuis versetzte: „Sire, das geht nicht! Die höhere Mathematik ist wie das Geheimnis der Freimauer: Durch Erzählungen erfährt man es nicht, sondern man muss sich einweihen lassen, um es völlig zu begreifen.“
„So?“ rief der König lächelnd aus. „Dann mag ich die höhere Mathematik lieber nicht lernen; denn ich merke an mir, dass das Einweihen nicht jedermann hilft.“

(aus „Friedrich Nicolai. Anekdoten von Friedrich dem Großen und von einigen Personen, die um ihn waren“, Verlag Lothar Borowsky, München 1986, S. 158-159)

 

Brief an Lessing

Mittwoch, 16. November 2011

Friedrich NicolaiFriedrich Nicolai schrieb am 6. Dezember 1768 einen Brief an Gotthold Ephraim Lessing, dessen Briefe, antiquarischen Inhalts er verlegte. Der Druck des Buchs verlief nicht problemlos. Denn zur gleichen Zeit wurde in der Druckerei Bode Klopstocks Hermanns Schlacht (1769) gedruckt, und da sie umfangreicher wurde als geplant, ging Bodes Papiervorrat plötzlich zu Ende. Die Zeit drängte wegen der Ostermesse, auf der Nicolai immer seine neue Produktion vorstellte, und wegen Lessings geplanter Italienreise. „Was ist also zu thun, liebster Freund?“ fragte Lessing bei Friedrich Nicolai an.

Berlin, 6. Dezember 1768

Liebster Freund,

In alle Wege müssen die „antiquarischen Briefe“ nicht aufgehalten werden. Mein Rath ist, daß Herr Bode, so bald als möglich, anderes Papier ungefähr von eben der Größe anschafft. So breit und niedrig zugleich, wird man zwar es nicht finden; das schadet aber nichts: wenn nur das Format im Drucke egal gemacht werden kann. Allenfalls will ich eher eine Unschicklichkeit im Papiere haben, als daß der Druck aufgehalten wird.
Überhaupt wollte ich Herrn Bode nicht rathen, ferner Papier aus Italien zu verschreiben. Für den sehr theuren Preis, kann er ja viel schöneres deutsches oder holländisches Papier haben. Nicht zu gedenken, daß man sich in einer Druckerey gar nicht helfen kann, wenn, wie jetzt, ein solches Papier aufgeht.
Lassen Sie den zweyten Theil auf einerley Papier, es sey nun auf feines Druckpapier oder auf Schreibpapier, drucken. Es ist ohnedies in praxis ganz unmöglich, daß die, die den ersten Theil auf Druckpapier erhalten, den zwyten auch auf Druckpapier bekommen, und so umgekehrt.
Ich habe von beyden Arten keinen unterschiedenen Preis machen können, sondern die Exemplare unter einander mischen müssen, weil der Unterschied nicht groß ist, und ich aus der Erfahrung weiß, daß in den Buchläden darauf doch nicht Acht gegeben werden kann, wenn das Papier sich so ähnlich sieht.
In alle Wege, fangen Sie mit dem Drucke des zweyten Theils bald an – damit er fertig ist, ehe Sie wegreisen. Wollen Sie die Briefe künftig fortsetzen, so ist es desto besser. Ein Läufer (wie es die Buchhändler nennen) können die „antiquarischen Briefe“ niemals werden; aber es giebt ein kleines ausgesuchtes Publikum, das immer gern lieset, was Sie schreiben, selbst wenn es von den antiquarischen Wissenschaften nichts versteht; und dies wird den Buchhändler doch schadlos halten. – Hr. Klotz wird wohl seine „Verteidigung“ nicht eher herausgeben, als bis er Sie in Italien weiß; denn er wird denken; „weit davon, ist gut für den Schuß“. Er wird denn aber sich sehr wundern, wenn auch aus Italien noch seine Thorheiten gezüchtiget werden. Merken Sie wohl, daß es nöthig seyn wird, mir eine Gelegenheit auszumachen, Ihnen kleine Pakete wohlfeil nach Italien zu bringen.
Daß ich mich mit Klotzen vereinige, dazu ist gar kein Anschein. Ich wüßte nicht worüber? Etwa daß seine Bücher in der allg. d. Bibl. nicht getadelt werden, wenn sie es verdienen? Das würde nicht unterblieben seyn, als er noch Mitarbeiter an der Allgemeinen deutschen Bibliothek war; geschweige jetzt, da ich alle Tage näher einsehe, was für ein seichter Gelehrter und was für ein schlechter Mensch er ist. In der Vorrede zu des VIIIten Bandes 2tem Stück habe ich ihn etwas abgefertigt, und „Ratzeberger“ soll auch kommen, sobald ich nur Zeit gewinne.
Hr. Raspe in Cassel hat „Klotzens Buch von geschnittenen Steinen“ auch in einem Traktat von drey Bogen beurteilet. Er hatte, wie es scheint, damals Ihre „antiquarischen Briefe“ noch nicht gesehen, aber sich doch oft mit Ihnen rencontrirt. Uebrigens ist er zu declamatorisch, und führt nicht Beyspiele genug an, woraus die Leser Klotzens Plagia und Fehler deutlich einsehen könnten.
Herr Eberhard hat allen guten Willen für Hrn.**; nur muß man die Zeit abwarten, bis eine Vacanz da ist, eher ist doch nichts zu machen. Hr.** scheint auch selbst zu verzweifeln, denn er ist noch nicht einmal bey Hrn. Eberhard gewesen. Ich habe ihm freylich die Schwierigkeiten vorgestellt, damit er sich nicht eine trügliche Hoffnung mache; aber er sollte doch nicht selbst so sehr unthätig seyn. Herr Eberhard hat mit dem Secretär des Ministers gesprochen, und Versprechungen erhalten. Aber die Krisis, in der sich die Acciseeinrichtungen jetzt befinden, ist einem, der einen Posten bald sucht, nicht günstig. Wenn es auf mich ankäme, wollte ich ihm herzlich gern helfen. Inzwischen habe ich ihm auf besonderes Bitten wieder 2 Louisd´or (in allen 4 Louisd.) auf Ihre Rechnung gezahlt. Genehmigen Sie es?
Herr Muzell-Stosch, dem ich Ihren Vorsatz nach Italien zu gehen gesagt habe, erbietet sich, Ihnen an den Kardinal Albani und verschiedene Gelehrten Recommandationsbriefe zu geben. Wollen Sie dies annehmen, so melden Sie es mir, oder schreiben an ihn.

Ich bin, wie Sie wissen, von ganzem Herzen
Ihr ergebenster, Nicolai

(aus „Friedrich Nicolai. Verlegerbriefe“, Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1988, S. 58-60)